13.10.2026

Junger Remchinger wird U18-Europameister im Handball

Finn Meißner bei einem Handball-Spiel
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Finn Meißner bei einem Handball-Spiel

Das Wohnzimmer von Familie Meißner in Singen ist voll an diesem heißen Sonntag im August. Nur einer fehlt auf dem Sofa – Sohn Finn Meißner. Er ist der Grund, warum sich die Familie versammelt hat und gespannt auf den Fernseher schaut. Im nächsten Moment ist er auf dem Bildschirm zu sehen. Meißner ist deutscher Jugendnationalspieler im Handball und gerade läuft das U18-EM-Finale gegen Slowenien. Drei Treffer erzielt der Linkshänder in diesem Spiel, das schließlich 36:27 endet und der deutschen Mannschaft den Titel beschert. Eine Weile sah es nicht danach aus, dass das Turnier so enden würde. Nach zwei Niederlagen in der Hauptrunde gegen Slowenien und Frankreich kam das deutsche Team als zweitbester Gruppendritter gerade so noch ins Viertelfinale – und kämpfte sich schließlich ganz nach oben. „Wir wollten die EM gewinnen“, beschreibt Meißner. Mit dieser Einstellung sei das Team nach Serbien geflogen. Die Erleichterung war groß, als sie es tatsächlich ins Viertelfinale geschafft hatten. „Dann war der Druck raus“, so Meißner. Und der Kampfgeist war geweckt. „Der schönste Moment war drei Minuten vor Abpfiff, als wir realisiert hatten, dass wir es geschafft haben.“

Ein Leben für den Sport

Für ein paar Tage war Vater Ulf Meißner in Serbien mit dabei. Er ist nicht nur großer Fan, sondern hat auch selbst Handball gespielt. Heute ist er Vorstand bei der SG Pforzheim/Eutingen, wo sein Sohn bisher sowohl in der A-Jugend-Bundesligamannschaft als auch der Herrenmannschaft in der 3. Bundesliga spielt. Nächsten Sommer wird Finn Meißner seinen Heimatverein verlassen und für eine Profikarriere zu den Rhein-Neckar Löwen wechseln. Dann wird der 17-Jährige sein Abitur in der Tasche haben und perspektivisch neben seiner sportlichen Laufbahn im Fernstudium studieren. Infrage kommt dabei ein wirtschaftliches Studienfach, neben Sport sein Lieblingsfach in der Schule. „Als Handballer geht man mit 36, 37 Jahren in den Ruhestand. Ausgesorgt hat man aber nicht. Deshalb studieren viele Profis nebenher“, erklärt Meißner. Er sagt ganz deutlich: „Mein Leben ist Handball.“ Privatleben und Freizeit stehen da im Hintergrund. Nur ein Regenerationstag pro Woche steht auf dem Plan. Sogar die Freistunden in der Schule werden für Krafttraining genutzt. Sommerferien? Gibt es kaum, denn im Sommer beginnt die Vorbereitung und internationale Spiele und Turniere wie die Europameisterschaft finden statt. Sogar zu Weihnachten wird Handball gespielt, dann ist Zeit für Freundschaftsturniere oder internationale Spiele. Das wirkt sich auch auf die sechsköpfige Familie aus. Meißner ist sich jedoch sicher: „Meine Geschwister freuen sich über meinen Erfolg. Sie teilen die Leidenschaft für den Handball und sehen gleichzeitig, was man opfern muss.“ Seine drei Geschwister sind ebenfalls in diesem Sport aktiv – und wenn doch mal ein bisschen Freizeit ist, wechseln sie den Ball und werfen gemeinsam ein paar Körbe vor dem Haus.

Spaß ist das Wichtigste

Im Gespräch mit dem jungen Sportler merkt man schnell, wie groß die Leidenschaft zum Handball ist. Am meisten gefällt ihm daran, „Tore zu werfen, Spiele zu gewinnen und Freunde zu treffen“. Diese Leidenschaft braucht er, um das hohe Trainingspensum zu bewältigen, den Druck auszuhalten und den Ansprüchen, die er auch selbst an sich hat, gerecht zu werden. Erzwingen kann man so eine Karriere nicht. „Es braucht Spaß an der Sache, Druck von den Eltern bringt nichts“, sagt Meißner deutlich. Er rät: „Egal, bei welcher Leidenschaft, es gilt, Spaß zu haben, dranzubleiben, gerade wenn es nicht so läuft, und hart zu arbeiten. Dann schafft man auch, was man möchte.“ Bisher ist ihm das gut gelungen. „Ich habe großen Respekt vor dieser Leistung und das in diesem Alter“, lobt Bürgermeisterin Julia Wieland, die den jungen Europameister nach seinem Erfolg in Empfang genommen hat. „Finn ist total bodenständig und ein ganz netter junger Mann. Ich bin mir sicher, dass er es weit bringen wird.“ Das nächste große Event ist die U19-Weltmeisterschaft im Sommer 2027. Deutschland ist sicher dabei – mit Meißner? Noch steht der Kader nicht fest, doch wir in Remchingen drücken ihm dafür fest die Daumen.