29.05.2026

50 Jahre Schlossbad - Menschen und Geschichten: Marion Müller

Von Anfang an mit dabei: Als treuer Stammgast begleitet Marion Müller das Freibad schon seit der Öffnung 1976.
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Von Anfang an mit dabei: Als treuer Stammgast begleitet Marion Müller das Freibad schon seit der Öffnung 1976.

Das Schlossbad feiert 2026 sein 50-jähriges Jubiläum. Seit 1976 öffnet es Jahr für Jahr seine Tore für hunderte Gäste aus Remchingen und der Umgebung. Jeden Monat der Saison stellen wir Ihnen eine Person vor, die auf besondere Art und Weise mit der Geschichte unseres Freibads verbunden ist.

Stammgast seit 50 Jahren

09:00 Uhr am Morgen, regnerisches Wetter und grauer Himmel: Bei solchen Bedingungen denken wohl die wenigsten ans Freibad. Für Marion Müller ist es aber ein Tag wie jeder andere, als wir uns im Mai zu einem Interview im Schlossbad treffen. Wie auch in den Jahren zuvor ist ihre Tasche schon für den Saisonstart gepackt.

Hallo Frau Müller, dieses Jahr feiert das Schlossbad sein 50-jähriges Jubiläum. Seit der Eröffnung ist es über Remchingen hinaus bekannt geworden und zieht jährlich zahlreiche Besucher an. Kennen und schätzen tut es aber wohl keiner so sehr wie Sie. Woran denken Sie, wenn Sie das Wort „Freibad“ hören?

„Freibad“ bedeutet für mich: Kurzurlaub. Als Landwirt kann mein Mann nämlich nur schlecht verreisen. Deshalb kommt mir diese kleine Auszeit direkt vor der Haustür immer sehr gelegen.

Alleine im vergangenen Jahr haben Sie mit über 200 Besuchen den Rekord unter den Badegästen aufgestellt. Sind Sie schon seit der Eröffnung so leidenschaftlich dabei?

Ja, ich besuche das Bad schon seit seiner Eröffnung 1976. Ich kann gar nicht glauben, dass es wirklich schon 50 Jahre her sein soll. Damals waren wir noch mit unseren Kindern zu Besuch. Sie sind schließlich mit dem Bad groß geworden und haben dort auch schwimmen gelernt. Wir haben sogar einen Kindergeburtstag meiner Tochter dort auf der Wiese gefeiert.

Als die Kleinen dann erwachsen waren, hatte ich auf einmal mehr Zeit für mich. Die habe ich dann genutzt, um häufiger alleine zu gehen. Manche besuchen das Freibad wegen der Kinder und, sobald die aus dem Haus sind, gar nicht mehr. Bei mir war es eher andersherum.

Aber wieso unbedingt schwimmen? Was macht das Schwimmen so besonders?

Schwimmen ist schlicht und einfach das Schonendste, was man für sich tun kann. Die Bewegungen fordern nicht nur einzelne Muskeln, sondern den ganzen Körper. Da macht auch schlechtes Wetter für mich keinen Unterschied. Im Gegenteil: Es härtet einen ab. Seit ich auch bei niedrigeren Temperaturen ins Bad gehe, bin ich viel seltener erkältet. 

Gibt es auch Tage, an denen Sie lieber zuhause bleiben würden?

Nein, die gibt es nicht. Damit darf man gar nicht erst anfangen, mit dem Herauszögern. So verliert man nur Zeit und verschwendet seinen Tag. Meine Nachbarn sind immer noch jedes Mal verwundert, wenn ich mich zum Frühschwimmen um 07:00 Uhr bereitmache. Aber für mich ist das einfach normal geworden.

Wie kann man sich Ihren Badealltag vorstellen?

Am liebsten komme ich gleich zur Öffnung, früh morgens. Wenn an der Kasse dann schon eine Schlange wartet, nutze ich die Zeit oft, um vor dem Freibad noch Müll zu sammeln: Flaschen, Verpackungen und Essensreste werden leider häufig dort hinterlassen. Einmal hat mich ein kleines Kind dabei beobachtet und zu seiner Mutter gesagt: „Schau mal Mama, die arme Frau muss sogar Müll sammeln.“ Man bekommt ab und zu zwar komische Blicke, aber ich tue es gerne. Ist an einem Tag wenig los, mache ich damit auch auf den Wiesen im Freibad weiter. Wenn ich schließlich ins Wasser komme, ziehe ich meine Bahnen meistens für eine halbe Stunde. Lieber gehe ich dann mittags noch einmal, statt morgens zu lange zu bleiben.

50 Jahre sind ein langer Zeitraum. Durch die Sanierung hat sich auch in jüngster Vergangenheit schon viel im Schlossbad getan. Was ist für Sie die größte Veränderung seit der Eröffnung?

Landschaftlich auf jeden Fall die ganzen Bäume und Büsche. Ich erinnere mich noch daran, dass man seine Handtücher früher an ihre Äste hängen konnte. Da waren sie vielleicht einen Meter hoch. Heute bieten sie mit ihrer Größe Schattenplätze für ganze Familien.  

Gibt es eine besonders schöne Erinnerung aus diesen 50 Jahren, die Sie mit dem Schlossbad verbinden?

Ich habe hier wirklich eine kleine „Freibadfamilie“ gefunden. Man unterschätzt leicht die ganze Arbeit, die das Freibadpersonal hier hereinstecken muss, selbst außerhalb der Saison. Da kann es schon mal November werden, bis man mit dem Arbeiten fertig ist, und im Januar geht es dann natürlich gleich wieder mit den Vorbereitungen weiter. Besonders extrem war es während der Pandemie. Da habe ich ausgeholfen und geprüft, ob alle Regeln, Abstände usw. eingehalten werden. Erst wenn man einmal zählen musste, wie viele Leute sich gleichzeitig in einem Becken befinden, bekommt man ein Gefühl dafür, was Bademeister tagtäglich leisten.

Dadurch und wegen meiner Besuche bin ich schon fast Teil des Teams geworden. Ich schaue auch im Winter regelmäßig vorbei, wenn ich mit meinem Hund hier spazieren gehe. So bleibt man im Kontakt und das ist einfach schön.

Die Saison hat gerade begonnen. Gibt es noch irgendwelche Tipps, die Sie neuen Gästen mit auf den Weg geben möchten?

Mein Rat ist simpel: Geht ins Freibad! Wir haben eine so schöne und saubere Anlage, dass es schade wäre, sie nicht zu nutzen.