50 Jahre Schlossbad - Menschen und Geschichten: Marianne Butz

Das Schlossbad feiert 2026 sein 50-jähriges Jubiläum. Seit 1976 öffnet es Jahr für Jahr seine Tore für hunderte Gäste aus Remchingen und der Umgebung. Jeden Monat der Saison stellen wir Ihnen eine Person vor, die auf besondere Art und Weise mit der Geschichte unseres Freibads verbunden ist.
Politisch und privat ein Fan
Jahrzehntelang hat Marianne Butz das Schlossbad nicht nur als besonders aktiver Badegast unterstützt, sondern sich auch in ihrer langen Karriere als Gemeinderätin immer wieder dafür eingesetzt.
Wie haben Sie die Eröffnung des Schlossbads miterlebt? Waren Sie schon damals eine so begeisterte Besucherin wie heute?
Dabei war ich bei der Eröffnung zwar nicht, mitgefiebert habe ich trotzdem. Die generelle Begeisterung war natürlich spürbar groß. Besonders regelmäßig waren wir anfangs nicht im Bad. Das war als berufstätige Familienfrau nicht möglich. Mit mehr freier Zeit kristallisieren sich im Laufe der Jahre aber gewisse Interessen heraus. Heute kann man Schwimmen als Hobby der ganzen Familie bezeichnen. Die Dauerkarte als Geschenk zu Ostern ist bei uns mittlerweile Tradition.
Gibt es etwas, das unser Schlossbad für Sie besonders macht?
Offensichtlich ist eine Gemeinde mit einem Freibad schon allein nichts Selbstverständliches. Wenn das Freibad dann noch über so gute Anschlussmöglichkeiten wie hier verfügt und sich dazu im Grünen befindet, ist das schon etwas Besonderes.
Ich möchte aber etwas anderes hervorheben. Wie gesagt, waren wir anfangs vor allem mit Familie und Kindern zu Besuch. Ich finde, dass genau das ein ganz wichtiger und auch schöner Aspekt des Schlossbads ist: seine Familienfreundlichkeit. Das Remchinger Freibad hat sich schon immer verstärkt an Kinder und Familien gerichtet. Mit der Zeit hat das noch zugenommen und heute gibt es viele Sachen, die Kinder entdecken können. Das ist außerdem nicht nur schön, sondern auch effektiv, denn damit ist eine Investition in das Schlossbad immer eine Investition in unsere Zukunft. Dazu muss auch gesagt werden, dass unsere Wasserqualität sehr hoch ist. Solche Standards sind besonders bei Kindern wichtig. Und wer sich selbst davon überzeugen möchte, kann gerne einmal den Kopf unter Wasser tauchen!
Gibt es etwas, das man über das Freibad unbedingt wissen sollte?
Von sowohl Jung als auch Alt würde ich mir manchmal eine größere Wertschätzung dessen wünschen, was wir haben. Manche zeigen leider kein Verständnis dafür, was wirklich alles hinter einem Freibadbetrieb steckt – vom Aufwand wie Instandhaltung, Sauberhaltung und Grünpflege bis zum hohen personellen Einsatz und den Kosten. Da spiegelt das Bad natürlich nur einen generellen gesellschaftlichen Umgang wider. Gerade beim Wasserverbrauch wird das sichtbar, zum Beispiel wenn manchmal lange geduscht wird. Wenn wir das Privileg haben, in dem zu baden, was anderen schon zum Trinken mangelt, sollten wir mehr Respekt dafür zeigen. Auch deshalb, weil Wilferdingen erst seit 1926 über fließendes Wasser verfügt.
1989 wurden Sie in den Gemeinderat gewählt und haben 33 Jahre lang die Gemeinde mitgestaltet. Sie haben sich auch für die Sanierung des Bads stark gemacht, die aufgrund der Kosten heiß diskutiert wurde. Wieso haben Sie sich für die Sanierung ausgesprochen?
Für mich gab es einfach keine Alternative. Der Zustand war auch nicht gerade prickelnd: Es gab ständig Probleme mit der Technik, die Heizanlage war veraltet, dazu gab es hohe Wasserverluste und die gefliesten Becken mussten dringend erneuert werden. Mir war bewusst, dass eine Aufschiebung kritisch werden könnte. Heute hätte die Gemeinde solche Kosten sicher nicht mehr stemmen können. Dass wir jetzt zum 50. Jubiläum auf ein modernes, sauberes und funktionsfähiges Schlossbad blicken dürfen, ist keine Selbstverständlichkeit.
Gab es einen Moment, an dem Sie dachten: Das war’s. Das Freibad wird es nicht mehr lange geben?
Solche Gedanken habe ich gar nicht erst zugelassen. Man muss kämpfen, dranbleiben, dann schafft man es auch. Natürlich war es eine große Enttäuschung, als die Einnahmen direkt nach der Sanierung wegen der Pandemie so stark sanken. Auch der Gemeinderat war nicht wirklich begeistert davon. Aber wir haben das überstanden, genauso wie viele andere Krisen zuvor, und das nicht zuletzt wegen des großen ehrenamtlichen Engagements vieler Freibadbesucher, gerade während der Pandemie. Dafür ist jetzt garantiert, dass das Schlossbad auch noch für die Generationen da sein wird, die nach uns kommen.
Remchingen ohne Schlossbad – könnten Sie sich das vorstellen?
Nein, absolut nicht. Es gibt vieles, das Remchingen besonders macht: Von unserem Haus aus sind die B10 und die Pfinz quasi gleich weit weg. Es kommt nur darauf an, wo wir abbiegen. Diese Kombination aus ländlicher Gemeinde und kleinstädtischem Angebot schafft eine gute Balance. Aber für diese ist das Freibad ein bedeutender Baustein, der nicht fehlen darf.
50 Jahre sind lang. Was nehmen Sie heute als die größte Veränderung im Bad wahr?
Es ist eine Veränderung, die vielleicht für das Auge nicht sofort sichtbar ist, aber jedem Badegast direkt auffallen wird: Ich rede über die Duschen. Für viele Jahre haben sie leider nicht richtig funktioniert, beim Abduschen kam mal nur kaltes Wasser, mal zu heißes, mal beides in abwechselnden Intervallen. Ich bin wirklich froh, dass das seit der jüngsten Sanierung gut funktioniert.
Gibt es einen besonders schönen Moment in den letzten 50 Jahren, den Sie mit dem Freibad verbinden?
Da fallen mir besondere Events des DLRG ein, die früher immer wieder veranstaltet wurden. Beim Mondnachtschwimmen ging es zum Beispiel darum, wer bis Sonnenaufgang am meisten geschwommen ist. Aber eigentlich ist es für mich jeden Tag der gleiche schöne Moment, wenn ich das Bad wiedersehe. Wenn man dann erst einmal in die Wellen eintaucht und die Sonne scheint, bekommt man schon fast ein Urlaubsgefühl. Da fehlen nur noch die Palmen.
Welchen Bezug haben Sie heute zu der Einrichtung?
In Bezug auf das Freibad bin ich heutzutage vor allem eines: Badegast. Wenn sich dann aber am Eingang bei schönem Wetter lange Warteschlangen bilden, bin ich trotzdem noch ein bisschen die frühere Gemeinderätin, die erleichtert ist, dass sich die Kasse der Kommune etwas füllt. Wie gesagt, ist das Freibad keine Selbstverständlichkeit für Remchingen. Nicht zu unterschätzen sind aber seine soziale Funktion sowie die Möglichkeit für Jung und Alt, etwas für die Gesundheit zu tun und sich fit zu halten, und für Kinder natürlich das Schwimmenlernen. Heute bietet es eine Gemeinschaft, die nicht mehr wegzudenken ist.
