19.06.2026

50 Jahre Schlossbad - Menschen und Geschichten: Hans Burkhardt

Hans Burkhardt erinnert sich an seine Zeit als Betriebsleiter im Schlossbad.
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Hans Burkhardt erinnert sich an seine Zeit als Betriebsleiter im Schlossbad.

Das Schlossbad feiert 2026 sein 50-jähriges Jubiläum. Seit 1976 öffnet es Jahr für Jahr seine Tore für hunderte Gäste aus Remchingen und der Umgebung. Jeden Monat der Saison stellen wir Ihnen eine Person vor, die auf besondere Art und Weise mit der Geschichte unseres Freibads verbunden ist.

Vom Konditor zum Bademeister

Hallo Herr Burkhardt, als Betriebsleiter haben Sie von 1978 bis 1993 das noch junge Schlossbad schon in seinen Anfangsjahren geprägt. Dieses Jahr feiert es seinen 50. Geburtstag. Wie blicken Sie angesichts des Jubiläums auf Ihre Zeit in Remchingen zurück?

Um mich kurz zu fassen, blicke ich auf glückliche, zufriedene Jahre zurück. Mein Beruf hat mir vor allem eines gemacht: Spaß!

War es schon immer in Ihrem Sinn, im Freibad zu arbeiten?

Nein, mein beruflicher Werdegang sah eigentlich ganz anders aus. Ursprünglich war ich nämlich gar nicht Bade-, sondern Konditormeister. Ich bin nach New York gegangen und habe dort 13 Jahre lang beim „Café Bremen“ gearbeitet. Damals habe ich mich auf Pralinen spezialisiert und an mehreren Tagen auch Rosen aus Zucker geformt. Unter der Woche bin ich dann oftmals von Virginia bis an die kanadische Grenze gekommen, um die Ware auszuliefern.

Warum sind Sie wieder zurück nach Deutschland gekommen?

Ich habe mich ein wenig danach gesehnt, wieder Zuhause zu sein. Damals konnte ich auch noch nicht so gut Englisch wie heute. Ein Stück weit habe ich aber auch die deutsche Sprache vermisst. Es ist schön, auf wie viele Arten man sich im Deutschen ausdrücken kann. Da ist das Englische viel simpler, wie ich finde. Kurz nachdem ich hier Bademeister geworden bin, hat ein Besucher versucht, mit mir auf Englisch zu sprechen. Da scherzte ein anderer: „Hör bloß auf, der kommt doch gerade erst aus Amerika.“

Wie ist es schließlich dazu gekommen, dass Sie zum Betriebsleiter des Remchinger Freibads wurden?

Nachdem ich nach Deutschland zurückgekommen bin, habe ich mir eine zweijährige Auszeit genommen. Währenddessen habe ich bei meinen Eltern gewohnt. Meiner Mutter gefiel das aber nach einer Zeit nicht mehr so sehr. Da kam die Stellenanzeige für das Schlossbad natürlich wie gerufen. Wegen meiner Begeisterung fürs Schwimmen meinte sie, dass ich eh schon mehr Zeit im Wasser als an Land verbringen würde. Also meldete ich mich zusammen mit 15 anderen Bewerbern. Das war überraschend, aber im Nachhinein wirklich ein Glück.

Damals haben wir noch in Würm gewohnt, von wo aus ich jeden Tag hierher gependelt bin, bis wir später nach Remchingen umgezogen sind. Zunächst alles dem Freibad wegen.

Was haben Sie an Ihrem Beruf geschätzt? Was hat Ihnen am meisten Spaß gemacht?

Ich habe mir manchmal ein paar Scherze erlaubt. Wenn es zum Beispiel im Becken zu voll und laut war, habe ich mich hingestellt und laut gepfiffen: Dann wurde es blitzschnell ruhig. Man muss einfach Humor haben bei dieser Arbeit! Das Schönste war aber die Gemeinschaft, gerade mit unseren Morgenschwimmern. Eine Familie, die häufig bei uns schwimmen ging, hat mir und meiner Frau sogar einmal einen Rebstock geschenkt. Der ist seitdem gewachsen und erinnert mich mit jedem Blick an diese Zeit und Leute.

Gab es gefährliche oder brenzlige Situationen im Bad? Gab es jemanden, den Sie nicht retten konnten?

Es gibt einen Unfall, an den ich mich noch besonders deutlich erinnere. Wenn externe Schwimmwettbewerbe veranstaltet wurden, hielt ich mich in der Regel eher zurück. Das war die Sache der Organisatoren, ob diese nun die Verwaltung oder ein Verein sein mochten. Aber bei diesem einen Wettkampf ist mir ein Mann im Becken direkt ins Auge gestochen. Er war erschöpft und hatte sich schon sichtbar übernommen, blieb aber weiterhin im Wasser. Deshalb warnte ich den Veranstalter und ordnete an, den Betroffenen sofort aus dem Wasser zu holen. Das passierte leider nicht und am nächsten Tag verstarb der Mann. Ich sage immer noch, dass er eigentlich am Tag davor gestorben ist. 

Wir haben gehört, dass Sie mit Ihrer Frau im Freibad übernachtet haben. Stimmt das?

Ja, wir haben während der Saison zusammen im Freibad übernachtet. Das war einfach praktischer. Dann konnte man auch abends länger bleiben und musste nicht bei seiner Ankunft morgens fürchten, dass nicht alles richtig sauber oder an seinem Platz ist.

Bei einem Besuch etwas später abends fragte uns der Bürgermeister einmal, ob wir nicht etwas Angst hier hätten. Schließlich waren die nächsten Häuser ja zu weit entfernt, um irgendetwas zu hören. Uns hat das aber nichts gemacht. Wir hatten zwar tatsächlich ein paar Einbrüche, aber alle Vorfälle gingen zum Glück glimpflich aus.

Sind Sie manchmal noch im Freibad?

Nein, nachdem ich als Bademeister aufgehört hatte, war ich für eine lange Zeit nicht mehr dort – das ist jetzt schon über drei Jahrzehnte her. Stattdessen war ich häufig mit meiner Frau in Pforzheim schwimmen. Dort gibt es sogar Bereiche, in denen man in der Nagold baden darf. Mit der richtigen Strategie funktioniert es auch gegen den Strom wunderbar.

Im Schlossbad war ich aber erst vor ein paar Monaten wieder, um mir die neue Anlage anzuschauen. Das war auf jeden Fall das erste Mal, dass ich den Ort mit langen Klamotten betreten habe.

Wie sah das Freibad zu Ihrer Zeit aus? Was hat sich verändert?

Vieles musste noch mit mehr Körpereinsatz erledigt werden, zum Beispiel die Heizpumpe, die das Wasser aus der Pfinz aufgewärmt hat. Mit der heutigen Technik geht das einfacher und das ist auch gut so! Alles in allem hat sich viel verbessert, nur der Pilz fehlt einfach.  

Auch die Freibadkultur war anders, als sie heute ist. Viele der Badegäste, die ich noch von früher kenne, sagen mir, dass manches von dem, was ich mir im Freibad erlaubt habe an Witzen und Durchgreifen, heute gar nicht mehr so möglich wäre. Der Bademeister bietet Angriffspotenzial.   

Würden Sie den Beruf heute wieder wählen?

Eigentlich habe ich es gar nicht als Beruf verstanden, dafür hatte ich zu viel Spaß! Ich würde es eher „bezahlten Zeitvertreib“ nennen. Es war nicht vergleichbar mit dem Stress und der Arbeit im Alltag als Konditor.  

Wie fühlt es sich an, jetzt das 50-jährige Jubiläum zu erleben?

Es freut mich wirklich für das Personal, dass das Bad heute in einem so guten Zustand ist. Um ehrlich zu sein, hätte ich mir das auch während meiner Zeit als Bademeister gewünscht. Es ist schade, dass solche Investitionen früher nicht möglich waren.