Remchingen und seine Geschichte

Dass eine so fruchtbare Landschaft wie der Kraichgau bereits in der frühesten Zeitepoche besiedelt war, ist geradezu eine Selbstverständlichkeit. So finden sich auch im Pfinztal genügend Beweise hierfür aus der Stein- und Bronzezeit, sowie auch aus dem ersten Jahrhundert vor Christi Geburt, als die Kelten hier gewohnt haben, was durch mehrere im Jahre 1947 auf Singener Gemarkung gefundene Gräber belegt werden kann. Als dann zwischen 80 und 90 n. Chr. die Römer die Oberrheinlande besetzt und besiedelt haben, da waren sie auch im Pfinztal. Zahlreiche Funde gibt es auf Remchinger Boden, von denen schwer zu sagen ist, welches die herausragendsten sind. Sind es die beiden bereits im 18. Jahrhundert auf Nöttinger Gemarkung gefundenen Leugensäulen, die uns auf der unmittelbar hier vorbeiführenden römischen Straße den Abstand vom Truppenstandort Baden-Baden angeben? Oder sind es die beiden Viergöttersteine, die sicher einmal hier gefunden und schon vor Jahrhunderten in die Kirchen Nöttingen und Remchingen eingemauert wurden? Oder gar die im letzten Jahrhundert auf Wilferdinger Gemarkung gefundene römische Weihe-Steinplatte mit einer Inschrift, die auf einen hier liegenden römischen Ort "Senota" oder "Vicus Senotensis" hinweist?

 

Nach dem fluchtartigen Abzug der Römer um das Jahr 260 n. Chr. besiedelten zunächst die Alemannen das Land rechts des Rheins. Sie wurden aber bereits nach einer großen Schlacht im Jahre 496 von dem ebenfalls germanischen  Stamm der Franken gezwungen, den Kraichgau aufzugeben und die Landschaft bis zur Murg zu räumen. Sie übernahmen die alemannischen Siedlungen und legten selbst neue an. Aber von keiner einzigen wissen wir, wer die Gründer waren. Zwar glaubten Sprachforscher, dass alle Ortschaften mit der Endung …ingen alemannischen und die auf …heim fränkischen Ursprungs sind. Dies würde bedeuten, dass Nöttingen, Remchingen, Singen und Wilferdingen zu den ältesten germanischen Siedlungen gehören und vom dritten bis fünften Jahrhundert gegründet wurden. Wir sind aber hier ganz auf Vermutungen angewiesen. Vor allem können auch von einer erstmaligen Nennung eines Dorfes keine Rückschlüsse auf das Alter gezogen werden. Ein im 12. oder 13. Jahrhundert erstmals genannter Ort kann sehr wohl bereits von den Alemannen gegründet werden sein.

  

Der am frühesten erwähnte Remchinger Ortsteil ist Singen. Am 1. Juni 769 schenkten in „Sigincheim im Pfinzgau“ vier Franken dem Kloster Lorsch bei Bensheim eine Hofraite, 34 Morgen Ackerland, eine Wiese und ein Stück Wald. Der Abt dieses Klosters vertauschte nun in seiner von 888 bis 893 anzusetzenden Amtszeit, weiteren Besitz dieses Klosters in „Vulvirincha“, dem heutigen Willferdingen, gegen die gleiche Fläche in Illingen südöstlich von Maulbronn (erstmalige Erwähnung von Wilferdingen).

  

Nöttingen wird mit Singen und weiteren Nachbarorten in einer Chronik genannt, die aber erst im 16. Jahrhundert niedergeschrieben wurde. Hiernach hat ein Bischof Noting dem Kloster Reichenau eine Schenkung in diesen Ortschaften gemacht. Es kann aber nicht mit Bestimmtheit gesagt werden, ob es sich um einen zwischen 830 und 860 in Norditalien genannten oder einen von 919 bis 934 in Konstanz lebenden gleichnamigen Kirchenfürsten gehandelt hat.  

  

Bei Darmsbach, das erstmals 1278 erwähnt wird, handelt es sich um eine sogenannte Ausbausiedlung, also um eine im Hochmittelalter entstandene Gründung, für die ein angrenzendes Dorf wie Nöttingen einen Teil seiner Gemarkung abgetreten hat, sicher aber nur mit der Genehmigung des jeweiligen Dorfherrn (siehe auch unten stehenden Exkurs).

  

Alle im nördlichen Pfinztal liegenden Ortschaften, aber nicht nur diese, gehörten in der Karolingerzeit – Karl der Große regierte von 768-814 – zum Ufgau bzw. in späteren Jahrzehnten zum Pfinzgau und unterstanden den darin herrschenden Gaugrafen. Da aber sämtlicher an Kirchen und Klöster gestifteter Besitz der Herrschaft des Gaugrafen entzogen wurde, gelang es zahlreichen Niederadelsfamilien sich allmählich ganz von der gräflichen Herrschaft zu befreien.

 

Neben den Markgrafen von Baden und den Grafen von Eberstein waren eine der bedeutendsten Familien dieser Art im Pfinztal die Herren von Remchingen, die 1160 erstmals genannt wurden. Ihr Stammvater Konrad war in diesem Jahr bei der Gründung des Klosters Maulbronn als Zeuge beteiligt. Doch auch die Herren von Balzhofen, von Enzberg, von Gärtringen, von Gültlingen, von Niefern, von Roßwag und von Venningen, um nur die wichtigsten zu nennen, besaßen zeitweilig Rechte in einem oder mehreren der heutigen Remchinger Ortsteile. Vor allem auf Schenkungen von Menschen, die um ihr Seelenheil bangten und glaubten, dieses dadurch erwerben zu können, ging der Besitz der Klöster Herren- und Frauenalb, Gottesaue, Maulbronn, Reichenau und Weißenburg sowie des Stifts Baden-Baden zurück.

 

Die mittelalterliche Geschichte der vier Remchinger Ortsteile ist geprägt von zahlreichen Käufen, Verkäufen und Pfändungen von Besitzrechten, durch welche die gerade genannten Adelsfamilien und auch andere ständig versucht haben, ihre keineswegs immer gute materielle Lage zu verbessern.

 

Die Erbauer der Wasserburg auf dem Boden des heutigen Freibads waren sicher die gerade genannten Herren von Remchingen. Sie spielten in ganz Süddeutschland eine große Rolle, sei es durch Einheirat oder durch Ausübung von Vogtsämtern in den verschiedensten Herrschaftsgebieten. Trotzdem mussten sie kurz nach dem Jahre 1300 ihre Burg verkaufen. Sie konnten zwar später einige Teile zurückerwerben. Aber ständige Vermögensteilungen und Streit innerhalb ihrer Familie zwangen sie 1562, ihre Anteile an die Markgrafen von Baden-Durlach zu veräußern, die damit die ganze Burg als ihr eigen nennen konnten.

 

Über die in der Neuzeit, also nach 1500, sich abspielenden Ereignisse sind wir nur lückenhaft unterrichtet. Insofern wissen wir über die Beteiligung am Bundschuhaufstand (1502) und am Bauernkrieg (1525) fast nichts. Auch über die Einführung der Reformation ist nur wenig bekannt. Nachdem der Augustinermönch Martin Luther am 31. 10. 1517 seine 95 Thesen bekanntgegeben hat, sind deren Inhalt wie ein Lauffeuer durch ganz Deutschland gegangen, ein Zeichen dafür, wie sehr die Bevölkerung in ihrer Vorstellung von der mittelalterlichen Kirche abgerückt war. Doch hatte sich der Remchinger Pfarrer bereits 1531 oder vorher zum Luthertum bekannt und auch Eberhard von Remchingen war anscheinend 1524 ein Verfechter dieser Lehre. Man wird daher davon ausgehen können, dass in der Remchinger Kirche, genau wie in denen etlicher anderer Adeligen, so in Gondelsheim, Gemmingen, Sulzfeld und vielleicht auch zeitweise in Königsbach, schon 1522 lutherisch gepredigt wurde. Jedoch haben die Markgrafen von Baden-Durlach erst 1556 die Reformation offiziell in ihrer Herrschaft und damit auch in den Remchinger Ortsteilen eingeführt.

 

Übrigens hat es früher auf dem Boden des heutigen Remchingen zwei Kirchspiele gegeben. Nach einem Lagerbruch von 1714 gehörten zur Nöttinger Pfarrei die Filialen Auerbach, Darmsbach, Teile von Dietenhausen und Obermutschelbach. Das Kirchspiel Remchingen bestand aus Wilferdingen, Singen und Kleinsteinbach. Nach dem Abbruch dieser Kirche in Alt-Remchingen und einem Neubau in Wilferdingen in den Jahren 1787/1788 führte die Kirchengemeinde den Namen des neuen Kirchenstandorts.


Die weiteren großen Ereignisse, die die Remchinger Einwohner in den letzten fünf Jahrhunderten bewegt und heimgesucht haben, können nur stichwortartig aufgeführt werden.

  

Der von 1618 bis 1648 dauernde Dreißigjährige Krieg forderte ungeheuere Opfer an Menschen und materiellen Werten, nicht weniger der Orleans´sche Erbfolgekrieg (1688/98), in welchem die Franzosen 1692 die alte Wasserburg abbrannten, die in der Folgezeit als Steinbruch diente. Auch der Spanische Erbfolgekrieg (1701-1715) forderte seinen Tribut, genau so wie die Napoleon´schen Kriege von 1792-1815.

 

Ein Lichtblick für das Pfinztal war der Bau der Eisenbahn von Durlach nach Pforzheim, der 1861 abgeschlossen wurde und der dem Pfinztal entscheidende Verbesserungen brachte.

  

Das im Mittelalter selbstständige Darmsbach war später der Gemeinde Nöttingen angegliedert, besaß aber einen eigenen Stabhalter, der Mitglied des Nöttinger Dorfgerichts war. Die Bemühungen, Selbstständigkeit zu erlangen, blieben ohne Erfolg und 1935 wurde Darmsbach sogar der Gemeinde Nöttingen einverleibt.

  

Eine  umfassende Änderung der politischen Grenzen brachte die in den Jahren 1971 bis 1975 durchgeführte Gemeindereform. Zahlreiche Verhandlungen waren notwendig, um Singen und Wilferdingen zum 1.1.1973 zusammenzuschließen. Die Gemeinde Nöttingen machte große Anstrengungen selbständig zu bleiben, musste aber schließlich die Bemühungen aufgeben. Sie wurde durch Vereinbarung zum 1.1.1975 in die neue Gemeinde Remchingen eingegliedert.

 

Die Gemeinde Remchingen ist im Mittelpunkt der Entwicklungsachse Karlsruhe-Pforzheim und war im Landesentwicklungsplan zusammen mit Königsbach-Stein als Unterzentrum ausgewiesen.

 

Durch großzügige Erschließung von Gewerbegebieten und Wohngebieten in ruhigen Lagen, mit dem Bau von Sport- und Freizeiteinrichtungen, einem beheizten Freibad, der Kulturhalle und des Altenpflegeheims in der "Neuen Ortsmitte" sowie dem Ausbau der Bergschule in Singen zu einer Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule und dem Neubau einer Realschule und eines Gymnasiums, hat sich die Gemeinde Remchingen bestens auf die ihr übertragenen Funktionen eingestellt.
 

 




 

Wir sagen: "Es führt kein Weg vorbei!"

Remchingen ist eine attraktive, verkehrsgünstig gelegene Gemeinde, die praktisch alle Einrichtungen einer Kleinstadt vorweisen kann und dennoch den wertvollen Wohncharakter des ländlichen Raumes besitzt.

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