Dienstag, 9. Oktober 2018

Hochwasserrückhaltebecken oberhalb Nöttingens nimmt Form an

Pfinz vorrübergehend umgeleitet
Mit einigen kräftigen Baggerbissen wurde der Pfinzlauf umgelenkt und das bisherige Durchlassbauwerk trockengelegt.

Der Bau des vergrößerten Hochwasserrückhaltebeckens oberhalb Nöttingens schreitet voran. Mittlerweile ist der neue Betriebsdurchlass fertiggestellt. Er liegt etwa 20 Meter neben dem bisherigen Durchlass, der nach der erfolgten Umleitung der Pfinz abgerissen und neu gestaltet wird.

Die Gemeinde hatte zu einer kleinen Feier anlässlich der Verlegung des Wasserlaufs eingeladen und zahlreiche Einwohner waren trotz unsicherer Wetterlage gekommen, um dem kräftigen Baggerzugriff zuzusehen. "Das ist ein großes und wichtiges Projekt für Remchingen" führte Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon in seiner Begrüßung aus. Die Gemeinde investiert hier 6,1 Millionen Euro. Das Land greift der Kommune aufgrund der großen Bedeutung des Projekts auch für die pfinzabwärts liegenden Gemeinden mit 4,3 Millionen Euro unter die Arme.

Für Remchingen ist es ein Meilenstein im Kampf gegen zunehmende Hochwasserereignisse: die Erweiterung des Rückhaltebeckens um das Dreifache des Volumens zwischen Nöttingen und Dietenhausen. Seit über einem Jahr wird an dem Millionenprojekt gebaut. Mitte 2019 soll es die Gemeinde und auch andere Kommunen flussabwärts der Pfinz vor reißenden Fluten wie zuletzt im Sommer 2013 schützen. Damit der größte Bau seiner Art im Enzkreis voranschreiten kann, ist die Pfinz im Beisein von Bürgern verlegt worden. Die Pfinz fließt aktuell durch den neugebauten sogenannten Betriebsdurchlass des Hochwasserrückhaltebeckens. So können sich Ingenieure und Arbeiter an den zweiten Durchgang machen, durch den die Pfinz die Barriere nach der Fertigstellung passieren soll. Dieser sei fast doppelt so breit wie der alte und ermögliche so Fischen und anderen Landtieren, am Hindernis vorbeizukommen, so Ingenieur Michael Bauch vom Büro Bami aus Remchingen. Bei Hochwasser werde dieser reguläre Durchlass geschlossen und die Schleusen des mehr als neun Meter hohen neuen Betriebsdurchlasses geöffnet. Durch die Erhöhung des Dammes, der auch die Verlegung der nahen Landesstraße auf einer Länge von 700 Metern nötig machte, sollen zwischen Nöttingen und Dietenhausen künftig 540.000 Kubikmeter anstatt wie bisher 160.000 Kubikmeter Wasser zurückgehalten werden können. Beim Bau des Damms werde spezielle Dichterde verwendet, so Ingenieur Kerim Zengin vom Büro Bami.

Das Projekt, so Remchingens Ortsbaumeister Markus Becker, biete Schutz vor Hochwasser, wie es statistisch gesehen alle 100 Jahren vorkommt. Das alte Rückhaltebecken, das beim Bau 1998 dasselbe versprochen hatte, sei aus heutiger Sicht nur noch für ein 30 – 50-jähriges Ereignis ausgelegt. "Das ist ein wichtiges und großes Projekt für Remchingen", sagte Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon. 6,1 Millionen Euro nimmt die Gemeinde dafür in die Hand. Das Land greift der Kommune mit 4,3 Millionen unter die Arme. Ob die Gemeinde auch weiter pfinzabwärts in Nöttingen, Wilferdingen und Singen – dort auch am zufließenden Kämpfelbach – zusätzliche kleinere Schutzmaßnahmen in Angriff nimmt, wird sich laut Ortsbaumeister Becker nach Fertigstellung des Rückhaltebeckens im nächsten Jahr zeigen. Erst dann könne deren Nutzen überprüft werden. Einige Gemeinderäte fordern weitere Maßnahmen, die mit einer bereits vorgestellten Untersuchung auch bereits erörtert wurden.

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